Gerd Leschanowsky: Welten bauen

Wie beschreibt man Arbeiten, deren Geschichten sich mit jedem neuen Blick darauf verändern? Das Buch der unendlichen Geschichte von Michael Ende ist eine gedankliche Assoziation, die  diesen Zustand reflektiert. Die Parallelwelt Phantàsien droht durch das „Nichts“ immer mehr zu verschwinden und zerstört zu werden. Der Betrachter ist wie Bastian Balthasar Bux, der zuerst nur darüber liest und später in diese andere Wirklichkeit kippt und mit seiner Phantasie schließlich auch Phantasien rettet.

Gerd Leschanowsky bezieht sich nicht auf die unendliche Geschichte, aber seine Arbeiten sind unendliche Geschichten und erfordern die ganze Phantasie des Betrachters um dem „Nichts“, dem Gleichmut und der Bedeutungslosigkeit neue Welten entgegen zu setzen. Der erste Blick lässt einen nicht die ganze Tragweite der Erzählung der von ihm präsentierten Gedankenanstöße zu erfassen und jeder weitere eröffnet neue Perspektiven, lässt einen ein anderes Detail erkennen und dreht die Gedanken nochmals um. Essentielle Aussage der Arbeiten sind der Anspruch an die individuelle Beziehung und Erfahrung des Betrachters um ihn die Geschichte selbst finden zu lassen. Die Phantasie ist gefordert um  aus dem „Nichts“ zu treten und in eine Parallelwelt einzutauchen.

Die Arbeiten sind nicht digital bearbeitet, sondern gänzlich analog und fein säuberlich aus alten Magazinen, Büchern, Zeitungen oder anderen Publikationen herausgeschnitten und zusammengesetzt. Damit spiegeln sie auch die unterschiedlichen haptischen und ästhetischen Begebenheiten des Ursprungmaterials wider, die den Arbeiten eine weitere Dichte und Tiefe verleihen und sich schließlich zur unendlichen Geschichte entwickeln.

Homepage von Gerd Leschanowsky
http://www.dergelk.com/

 

Abbildungen:
Beitragsbild: Mangel an Konzentration
Vor 65 Millionen Jahren
Extent and Scope of the Problem
Eiskristallamboss
Männer am Rande der Welt
Atomknacker

(Text: Gabriele Baumgartner)